Demmin

Die Hansestadt Demmin [dɛˈmiːn] ist eine Kleinstadt im östlichen Zentrum des Landes Mecklenburg-Vorpommern. Seit der Kreisgebietsreform 2011 gehört sie zwar zum Landkreis Mecklenburgische Seenplatte, betont aber stets ihre Zugehörigkeit zu Vorpommern.[2] Bis dahin war Demmin schon seit 1818 selbst eine Kreisstadt. Mit knapp 11.000 Einwohnern (2020) ist sie eines der 18 Mittelzentren im Land. Die Stadt gehört zu den ältesten Orten Pommerns.

Durch ihre vielen Gewässer und die umgebende Landschaft ist die Region Demmin ein beliebtes Urlaubsziel, vor allem für Naturtouristen. In Demmin fließen die drei Flüsse Peene, Trebel und Tollense zusammen. Die Peene fließt vom nahen Kummerower See durch Demmin bis in die Ostsee.

Geographie

Demmin liegt im vorpommerschen Tiefland am Zusammenfluss der Flüsse Peene, Tollense und Trebel, die zusammen ein Gewässerkreuz bilden. Kummerower See und Stettiner Haff (Oderhaff) sind auf der Peene per Schiff zu erreichen, Neubrandenburg über Altentreptow auf Nebenstraßen und Radwanderwegen. Das Gebiet der Mündungen der Tollense und der Trebel in die Peene wird touristisch gerne Dreistromland (in Anlehnung an das antike Zweistromland) genannt.[3]

Nördlich von Demmin erstreckt sich auf etwa 174 Hektar das als Drosedower Wald und Woldeforst bezeichnete Waldgebiet. Hier liegt auch das 103 Hektar große Naturschutzgebiet Kronwald. Westlich befindet sich am linken Ufer der Peene das Devener Holz und am linken Ufer die Vorwerker Schweiz. Im Osten der Stadt liegen die Sandbergtannen und im Südosten der Vorwerker Wald.

Geschichte

Ortsname

Möglich ist die Herkunft des Namens vom slawischen Begriff timänie, was so viel wie „morastige Gegend“ bedeutet. Möglich ist aber auch die Herkunft vom Altpolabischen dym (Mehrzahl dyminy) für „Rauch, Dunst“ auf Grund der damaligen Brandrodungen oder des für Niederungen typischen Nebels. Adam von Bremen berichtete 1075 von der umkämpften Burg Dimine. Der Name wandelte sich unter anderem von Dymine zu Dimin, latinisiert zu Dyminium, schließlich zu Demmyn und 1320 zu Demmin.

Nach einer Sage war es aber ganz anders: Zwei Prinzessinnen, welche die Burg „Haus Demmin“ erbauten, gelobten sich gegenseitig: Dat Hus is din und min. Daraus soll der Name der Burg und damit der Stadt entstanden sein.

Vorgeschichte

Schon um 5500–4900 v. Chr. breitete sich die jungsteinzeitliche Bandkeramische Kultur oderabwärts in die Gegend östlich von Demmin aus. Als Zeugnisse der Trichterbecherkultur sind 119 Megalithanlagen im Kreisgebiet nachgewiesen. Von diesen sind 56 zumindest noch teilweise erhalten. Die überwiegende Zahl davon sind 37 Großdolmen. Dass sich auch noch 6 Urdolmen erhalten haben, weist auf eine jener Regionen hin, in denen der Bau dieser Anlagen seine Wurzeln hatte. Für die nachfolgende Zeit sind die Grabhügel und die Schalensteine, von denen im Kreis Demmin zwölf erhalten sind, kennzeichnend. Ab etwa 1800 v. Chr. erfolgte die Besiedlung der Gegend durch frühgermanische Bevölkerungsgruppen.

Mittelalter

In den Wäldern um Demmin gab es bereits im 8. Jahrhundert slawische Siedlungen der Wilzen. Karl der Große führte sein Heer während der Sachsenkriege 789 bis an die Peene gegen die mit den Sachsen verbündeten Wilzen. Deren Fürst Dragowit, dessen Burg bei Vorwerk (Demmin) gestanden haben soll, unterwarf sich und versprach Tributzahlungen. Im Ringen der Wilzen und Franken um diese Region, die durch die Kreuzung von Flüssen und später auch Handelsstraßen für eine Siedlung sehr geeignet war, entstand zunächst eine Grenzburg, die von den liutizischen Zirzipanen am Anfang des 10. Jahrhunderts errichtet wurde und später den Namen „Haus Demmin“ erhielt. Diese Burg kontrollierte den Ostteil Zirzipaniens, das sich im Westen bis Güstrow erstreckte und dessen Hauptburg Teterow war.

Bald entwickelte sich im Schutz der Burg ein Handelsplatz. Der Chronist Adam von Bremen beschrieb 1075 diesen in einem Bericht als „bedeutende Stadt“ (civitas maxima). In seiner Beschreibung von Jumne berichtete er: „Von jener Stadt schifft man mit kurzer Fahrt zur Stadt Dymin, welche an der Mündung des Peeneflusses liegt, wo auch die Rhunen (Ranen) wohnen.“[6] Wegen dieser fehlerhaften Ortsangabe vermutete der Historiker Gustav Kratz, dass hier Demmin mit Wolgast verwechselt wurde,[7] was ein Hinweis wäre, dass beide Orte grundsätzlich bekannt waren.

Seine zweite Missionsreise führte Otto von Bamberg 1128 nach Demmin (Timina civitas Pomeraniae), wo er den Herzog Wartislaw I. traf und in einer alten Burg (vetus castellum) außerhalb des Ortes übernachtete.[8] Die pommersche Burg Demmin wurde am 14. Oktober 1140 erstmals in der Bestätigungsschrift des Papstes Innozenz II. für das pommersche Bistum urkundlich erwähnt.[9] Während des Wendenkreuzzuges 1147 wurde Demmin vom deutsch-dänisch-polnischen Kreuzzugsheer belagert, konnte aber eine Eroberung abwenden, indem es auf die Missionierung durch Otto von Bamberg verwies.

Die Söhne Wartislaws Bogislaw I. und Kasimir I., die ab 1156 regierten, wählten Demmin als eine ihrer Residenzen. Am 6. Juli 1164 kam es zur Schlacht bei Verchen zwischen Lutizen und einem dänisch-sächsischen Heer. Die unterlegenen Slawen setzten Demmin in Brand und zogen sich ins Landesinnere zurück. In den folgenden Jahrzehnten erfolgte eine zunehmende deutschen Besiedlung im Zuge der Ostkolonisation. 1178 bis 1180 unternahmen die Pommernherzöge drei Feldzüge in die Lausitz und das Land Jüterbog, die dabei schwer verwüstet wurden. Im Spätherbst 1180 erfolgte der Gegenschlag der Gegner und der brandenburgische Markgraf Otto I. belagerte Demmin. Bei den Kämpfen fiel vermutlich Kasimir I.[10] und Bogislaw I. regierte nun allein. Nach dem Sturz Heinrichs des Löwen 1181 wurde Bogislaw I. deutscher Reichsfürst. Ab 1211 kam das Gebiet unter dänische Lehnsabhängigkeit, und nach 1227 wurde es brandenburgisches Lehen.

Um 1236 wurde die Stadt planmäßig mit gitterförmigem Straßennetz angelegt, die zudem mit einem Mauerring und fünf Toren umgeben wurde. Nur wenig später, zwischen 1236 und 1249, erhielt Demmin Lübisches Recht.[11]

Am 17. Mai 1264 erlosch diese Linie Pommern-Demmin mit dem Tod von Wartislaw III., eines Enkels von Bogislaw I.

Ende des 13. Jahrhunderts hatte der pommersche Marschall Henning von Winterfeld, Herr auf den Burgen Osten und Wolde, auch die Burg Demmin inne. Die gotische Stadtkirche St. Bartholomaei in der Altstadt wurde erstmals 1269 erwähnt.

Da die Peene schiffbar ist, fungierte die Stadt als Umschlagplatz von zumeist landwirtschaftlichen Produkten. Im Jahr 1283 trat Demmin der Hanse bei und erhielt durch die pommerschen Herzöge Wartislaw IV. und Otto I. am 27. September 1320 die Zollfreiheit. Im 14. und 15. Jahrhundert schloss Demmin enge Bündnisse mit Stralsund, Greifswald und Anklam. 1452 gelang es diesen Städten, durch das herzogliche „Goldene Privileg“ große Macht und städtische Freiheit zu erreichen.

Im Ersten Rügischen Erbfolgekrieg wurde Demmin im Juli 1327 durch mecklenburgische Truppen belagert. 1358 nahmen Demminer Boten am Hansetag teil. 1394 stellte Demmin zusammen mit den anderen Städten ein Kontingent für die Flotte gegen die Vitalienbrüder.

Schwerere Stadtbrände zerstörten Demmin im Jahre 1407 zur Hälfte und 1495 fast vollständig. 1499 erwarb die Stadt den Pfandbesitz am Dorf Deven.

1534 wurde in Pommern die Reformation eingeführt. In den Jahren 1546 und 1547 wurden die Demminer Stadtbefestigung verstärkt sowie zusätzliche Wälle angelegt.

17. Jahrhundert

Das 17. Jahrhundert brachte der Stadt den nahezu vollständigen Ruin. Demmin wurde fünfmal belagert und dreimal niedergebrannt.[12]

Demmin schied 1607 aus der Hanse aus. Aufgrund der starken Konkurrenz aus England und Holland zerbrach der Hansebund. In der Zeit vor 1618 hatte die Stadt etwa 2400 Einwohner.

Im Dreißigjährigen Krieg besetzten im Jahre 1627 die kaiserlichen Truppen und 1631 die Schweden unter Gustav Adolf die Stadt. Die Kaiserlichen unter Gallas belagerten und eroberten die Stadt erneut zum Ende des Jahres 1637.[13] Durch List gelang den Schweden unter Johan Lilliehöök jedoch 1639 die erneute Einnahme.

Im Westfälischen Frieden von 1648 wurde Vorpommern als Reichslehen Schweden zugesprochen. Zu diesem Schwedisch-Pommern gehörte auch Demmin, das von den Schweden zur Festung Demmin ausgebaut wurde.

Im Zweiten Nordischen Krieg wurde die Festung zunächst verstärkt. Bei der Belagerung von 1659 durch die Truppen des brandenburgischen Kurfürsten unter Feldmarschall Otto Christoph von Sparr kapitulierte die schwedische Besatzung nach 28 Tagen und zog nach Stralsund ab.[14] Die brandenburgische Besatzung dauerte bis zum Frieden von Oliva 1660 an.

Auch im Schwedisch-Brandenburgischen Krieg wurde Demmin ab September 1676 von brandenburgischen Truppen unter dem Feldzeugmeister Herzog August von Holstein eingeschlossen; die Stadt wurde in Brand geschossen und dabei zu drei Vierteln zerstört. Dabei brannte auch die Bartholomäuskirche aus. Obwohl sich die schwedische Besatzung zurückzog, verblieb die Stadt nach dem Frieden von Saint-Germain vom 19. Juli 1679 weiterhin bei Schwedisch-Pommern. Am 13. November 1679 zog Otto Wilhelm von Königsmarck mit schwedischen Truppen wieder in die Stadt ein. Brandenburg konnte die bitter bezahlten Erfolge nicht behaupten. Nur langsam vollzog sich der Wiederaufbau. Ende des 17. Jahrhunderts lebten bereits wieder 600 Menschen in der Stadt.[12]

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Redaktion

Heimatbewußtsein und Heimatliebe hat nur der seelisch geistig gesunde Mensch, welcher sich seiner eigenen Geschichte/ Herkunft voll bewußt ist, über eine verwurzelte Verbindung zur Heimaterde verfügt (Bodenständigkeit), Mitgefühl (Empathie) zu Gottes Schöpfung (die Natur) hat und damit die Heimat und dessen Menschen wertschätzt. Seelisch vergiftete, wurzellose, traumatisierte Heimatvertriebene, Heimatlose, Geflüchtete und deren Nachkommen können kaum oder nur unter größten Schwierigkeiten eine neue Heimat und erst recht keine neue Identität annehmen. Diese Menschen bedürfen daher der besonderen Hilfe und Obhut. Hierbei geht es um keine Maskerade oder Dekoration, sondern um die Wiederherstellung der gesamtgesellschaftlichen Struktur vor Ort! Heimatliebe ist Herzenssache! Heimat ist Bewußtsein, Mut und Gespür für das Wahre, Ursprünglich-Bewährte, Langlebige und das Nachhaltige!

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