Friedrich Engel

Friedrich Wilhelm Konrad Siegfried Engel (* 3. Januar 1909 bis † 4. Februar 2006) war Befehlshaber der Sicherheitspolizei und des SD von Genua. In internationalen Medien wird er auch als Butcher of Genoa (Schlächter von Genua) bezeichnet.

Leben

Bis 1945

Der promovierte Philologe ging nach seinem Studium (u. a. nach eigener Auskunft 1934 Aktivität als NS-Studentenführer an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel sowie in Innsbruck) zum SD der SS (Mitgliedsnummer 272.593) und wurde Referent für „weltanschauliche Erziehung“ im Reichssicherheitshauptamt. Außerdem wurde er Mitglied der NSDAP (Mitgliedsnummer 1.305.576).

Im Mai 1940 war er beim Befehlshaber der Sicherheitspolizei und des SD in Norwegen stationiert. Er stieg zum Obersturmbannführer (1945) und SD-Chef von Genua auf. Als Vergeltungsmaßnahme nach einem Partisanenanschlag gegen ein Soldatenkasino in Genua, bei dem fünf oder sechs Angehörige der Wehrmacht getötet wurden, befahl Engel am 19. Mai 1944 das Massaker am Turchino-Pass, bei dem 59 Insassen des Marassi-Gefängnisses am Turchino-Pass in Ligurien erschossen wurden.[1] Befehle zur Ausführung weiterer Massaker gab Engel für die Massaker von Bendicta (vom 3. bis 11. April 1944 mit 147 Opfern), Portofino (am 2. und 3. Dezember 1944 mit 23 Opfern) und Carvasco (am 23. März 1945 mit 20 Opfern).

Im Januar 1945 wurde ihm das Kriegsverdienstkreuz I. Klasse mit Schwertern verliehen.

Nachkriegszeit

In amerikanischer Gefangenschaft gelang es Engel 1947, aus dem Camp King in Oberursel zu entkommen. Im Jahr darauf war er unter dem Namen Friedrich Schottenberg als Holzfäller und Bademeister in Braunlage tätig. 1949 wurde er Prokurist bei einer Holzimportfirma in Hamburg. Auch in den folgenden Jahren blieb Engel von etwaigen Ermittlungen unbehelligt.

Auch mögliche Ermittlungen seitens Italien wurden jahrzehntelang nicht weiter verfolgt: 1956 wurde in einem Briefwechsel zwischen Außenminister Gaetano Martino und Verteidigungsminister Paolo Emilio Taviani beschlossen, auf die Eröffnung von Prozessen gegen ehemalige Angehörige der Wehrmacht zu verzichten. Auf diese Weise wollte man mögliche Verstimmungen mit der Bundesrepublik vermeiden, da Deutschland wirtschaftlich und militärisch (im Jahr zuvor hatte es im Zuge seiner Wiederbewaffnung die Bundeswehr gegründet und war am 9. Mai der NATO beigetreten) mit Italien verbunden war.

1960 wurden auf Anordnung des damaligen Allgemeinen Militärstaatsanwaltes Enrico Santacroce zahlreiche Aktenbündel, darunter Nachweise über die Kriegsverbrechen von Engel, im Palazzo Cesi „provisorisch archiviert“. Eine Anzeige während der 1960er Jahre blieb folgenlos, da die Akten spurlos verschwunden waren. Erst 1994 wurden sie zufällig im sogenannten „Schrank der Schande“ wiederentdeckt.

Juristische Aufarbeitung und Nachleben

Nach Auswertung der Akten wurde Engel 1999 von einem italienischen Militärgericht in Abwesenheit wegen 249-fachen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt. Daraufhin wurde Engel auch in Deutschland vor Gericht gestellt. Er kommentierte die Vorwürfe mit den Worten: „Ja, ich war daran beteiligt. Es tut mir leid, aber ich habe nichts zu bereuen.“ Er habe Angst gehabt, seinem Vorgesetzten zu widersprechen. Das mit dem Fall befasste Landgericht Hamburg erkannte zwar an, dass nach damaligem Kriegsvölkerrecht Geiselerschießungen mit einer Repressalquote von 1:10 als Vergeltung für tödliche Partisanenangriffe gewohnheitsrechtlich erlaubt waren. Engel habe aber die Erschießung zu grausam durchführen lassen (an einer Grube, der Nachfolgende konnte die Erschießung des Vorherigen mitanhören) und damit die sogenannte „Humanitätsschranke“ verletzt. Das Landgericht Hamburg verurteilte den 93-jährigen Engel im Juli 2002 zu sieben Jahren Haft. Wegen seines hohen Alters blieb Engel jedoch auf freiem Fuß.

Im Juni 2004 hob der Bundesgerichtshof das Urteil gegen den mittlerweile 95-jährigen Engel auf dessen Revision hin auf, weil das Mordmerkmal der Grausamkeit nicht ausreichend bewiesen sei. Zugleich stellte der 5. Strafsenat das Verfahren ein, weil das hohe Alter von Engel und der lange Zeitablauf seit dem Tatgeschehen einen erneuten Prozess nicht zulassen würden.[6]

Engel starb im Februar 2006 in Hamburg, einen Monat nach seinem 97. Geburtstag.

Siehe auch

Zentrale Stelle der Landesjustizverwaltungen zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen

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